Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

無辺な蔵本 (Muhen na Zōhon) – Die unendliche Bibliothek

Das Frühstücksbuffet ist bereits abgeräumt, als ich kurz nach zehn in den Speisesaal komme, aber ich kann mir noch einen Tee organisieren. Mare, der Lord und Mycroft warten bereits mehr oder weniger ungeduldig in der Hotellobby.

“Und, hast du heute Nacht geträumt“, fragt Mare.
“Was?”, frage ich verschlafen, “oh, ja, das habe ich tatsächlich”, erkläre ich dann und erzähle meinen Freunden von meinem nächtlichen Ausflug. Guter Dinge machen wir uns auf den Weg zu Joes Haus, in der Annahme, dass der Hund nun, da das Portal verschlossen ist, den Ort verlassen hat. Als wir aber trotz allem vorsichtig und leise die Treppe nach oben steigen, werden wir eines besseren belehrt. Der Hund sitzt noch immer dort. Die Pilze liegen im Raum verteilt. Wir trauen uns nicht, den Raum zu betreten, um sie aufzulesen und ziehen uns lieber ruhig zurück. Der Hund hat sehr viel Geduld und Ausdauer.

Unverrichteter Dinge besteigen wir den Silver Ghost und fahren zurück ins Hampshire. Mycroft ist sehr nachdenklich. Die Reise zur Bibliothek von Babel beschäftigt ihn. Er hat entschieden, heute Abend den Byakhee zu rufen, der ihn dorthin bringen soll.
“Überlege dir nochmal genau, ob du wirklich mit mir kommen willst”, rät er mir eindringlich, aber mein Entschluss steht fest.
“Mein Angebot gilt nach wie vor”, erwidere ich, “ich bleibe dabei.”
Ich kann nicht einschätzen, ob dieses Bekenntnis meinen Freund eher beruhigt oder beunruhigt. Wahrscheinlich ist beides gleichermaßen der Fall.

Als die Sonne untergegangen ist, reicht der Lord feierlich einen Abschiedstrunk. Es scheint zu einer Tradition zu werden. An dem Tag, an dem Mycroft zusammen mit Mare nach Aldebaran aufbrach und gezeichnet durch das Mal des König in Gelb zurückkehrte, hatte er es genauso gehandhabt.

Mycroft und ich begeben uns nun zu Beacon Hill. Mycroft platziert in einem Kreis aus dreizehn Fackeln, den ich mit ihm zusammen aufgebaut habe, drei Steine in Form eines Dreiecks, dessen Spitze auf Aldebaran ausgerichtet ist. Wir entzünden die Fackeln und trinken den Weltraummet, ohne den wir die Reise nicht überleben würden.
Ich sende ein stilles Gebet an meine Göttin, bitte um Beistand und um Vergebung, dass ich mich so leichtsinnig in eine Gefahr begebe, vor der sie mich selbst gewarnt hat, doch der Drang meines Herzens, meinem Freund bedingungslos zur Seite stehen zu wollen, ist stärker.
Mycroft holt die gelbe Flöte hervor.
“Bereit?”, fragt er.
“Nein”, antworte ich, “aber fang trotzdem an.”
Er nickt und tritt andächtig in die Mitte des Fackelkreises, wo er die Flöte an seine Lippen hebt und die verhängnisvolle Melodie zu spielen beginnt. Kurz darauf vernehme ich den Klang riesenhafter Schwingen, die die Luft durchschneiden. Eine starke Brise weht über das Feld und dann landet er, der Byakhee, den ich bisher nur schattenhaft aus der Ferne gesehen habe. Ihn aus der Nähe zu sehen, setzt mir weniger zu, als ich befürchtet hatte. Zärtlich legt er seine Tentakeln, die wie unzählige schwarze Zungen aus seinem spitzen Maul schnellen, um den Kopf meines Freundes und äugt interessiert in meine Richtung.
“Lass ihn in Ruhe”, herrscht Mycroft ihn an. Das Wesen zieht gehorsam seine Tentakeln zurück und lässt Mycroft auf seinem Rücken Platz nehmen. Ich zögere noch.
“Komm schon”, ruft Mycroft mir zu und streckt mir die Hand entgegen, um mir beim Aufsitzen zu helfen. “Du wirst mich noch früh genug vermissen.” Dann beginnt der rasante Flug, vorbei an Sternen, Planeten und Galaxien, die in rasender Geschwindigkeit an uns vorbei rauschen. Nur Sekunden später landet der Byakhee mitten in einem achteckigen Raum, dessen Wände rundum mit Regalen bis zur Decke bestückt sind. Darin stapeln sich bis zum Bersten unsortiert und unstrukturiert Schriftrollen und Bücher jeglicher vorstellbarer Formate. Durch Öffnungen in der Decke ist ein helles Licht zu erkennen. Wir sitzen ab und der Byakhee schnarrt etwas für mich Unverständliches, bevor er seine Schwingen ausbreitet und unserem Sichtfeld entschwindet.

Wir scheinen allein zu sein. Niemand empfängt uns. Zunächst laufen wir ziellos durch die Räume, die alle gleichermaßen chaotisch und unstrukturiert sind. Interessehalber nehme ich ein Buch aus einem der Regale und blättere darin. Doch da steht nur Unsinn. Schließlich hören wir Leute miteinander sprechen. Wir folgen den Stimmen stoßen auf einen Mann und eine Frau in helle Tuniken gekleidet. Sie unterhalten sich in einer Sprache, die mir fremd ist. Mycroft meint, sie sprächen Griechisch miteinander. Auf einem Pult in der Nähe der beiden liegt ein aufgeschlagenes Buch und eine Schriftrolle mit Notizen. Beide enthalten nichts als Unsinn.

Wir gehen weiter und stoßen kurze Zeit später auf einen Mann in einer prunkvollen Rüstung.
“Guten Tag”, spricht Mycroft ihn an, “wer sind Sie und was machen Sie hier?”
Der Mann stutzt, sieht uns dann aber freundlich an.
“Ich bin ein König”, erklärt er, “und ich suche Weisheit, um meine Untertanen gerecht regieren zu können.”
“Habt Ihr denn schon etwas gefunden?”, fragt Mycroft weiter.
“Nein, noch nicht, aber ich weiß, dass es hier irgendwo ist”, antwortet der König und fragt: “Warum seid Ihr hier, was sucht Ihr?”
“Ich suche das Sandbuch”, erwidert Mycroft.
“Dabei wünsche ich euch viel Glück”, sagt der König, “es ist schon schwer, hier die Weisheit zu finden. Ein einzelnes Buch scheint mir noch schwieriger aufzutreiben zu sein.”
“Was ist mit Euren Untertanen”, fragt Mycroft, “glaubt Ihr nicht, dass sie euch brauchen?”
Der König scheint diese Frage nicht gehört zu haben oder sie zu ignorieren.
“Ich bin schon sehr lange hier”, sagt er, “bei ‚Wei’ bin ich schon. ‚Eit’ habe ich auch schon gelesen.”
Mycroft und ich sehen einander fragend an.
“Lass uns weiter gehen”, schlage ich vor, “vielleicht treffen wir ja noch andere Leute.”

Wenig später stoßen wir auf einen Mann, der seiner Kleidung nach zu urteilen wohl ein Kapitän ist. Er studiert Karten.
“Was sucht Ihr?”, fragt Mycroft. Der Kapitän blickt auf.
“Ich suche den Seeweg zu meiner Bestimmung”, antwortet er.
Ich werfe einen Blick auf die vor ihm ausgebreiteten Karten. Die Länder und Meere, die darauf dargestellt werden, sind mir unbekannt und die Beschriftung ist wirr und ergibt keinen Sinn.
“Diese Karten sind Unsinn”, wende ich ein.
“Nein, ganz und gar nicht”, widerspricht der Kapitän, “ich habe die Antwort noch nicht gefunden, aber ich bin sicher, dass ich sie hier irgendwo finde.”
“Wie lange sucht Ihr schon”, fragt Mycroft.
Der Kapitän antwortet: “Ich bin schon sehr lange hier. Und warum seid Ihr hier? Was sucht ihr?”
“Ich suche das Sandbuch”, erklärt Mycroft und fragt dann: “wisst Ihr, ob es hier einen Ausgang gibt?”
“Einen Ausgang? Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Wozu braucht man einen Ausgang?”, wundert sich der Kapitän, “viel Glück bei eurer Suche.”
Der Kapitän vertieft sich wieder in seine Karten.

Kopfschüttelnd gehen wir weiter. Wir stoßen auf eine Treppe, die nach unten führt. Dort gibt es keine Bücherregale, aber dafür ungewöhnliche, absolut wirre und unsinnige Gewölbestrukturen. Hier steht ein Mann, der mit Zollstock und Winkel das Gebäude auszumessen scheint und die Ergebnisse in einen Plan einträgt.
“Was machen Sie da?”, fragt Mycroft. Der Mann blickt auf.
“Ich studiere und erforsche die Struktur dieses Gebäudes”, erklärt er begeistert, “das ist unglaublich faszinierend und interessant. Ich bin Architekt. Ich bin schon sehr lange hier.”
Auch er ist wie der König und der Kapitän zuvor ist er zutiefst fasziniert, ja geradezu besessen und gefangen von seiner Aufgabe.

Als wir wieder nach oben gehen, stoßen wir auf einen Mann, der an einem Tisch sitzend Bleilettern sortiert. Er untersucht die Bücher in dieser Bibliothek möchte den Schriftsatz ergründen, hat aber bisher die Antwort nicht gefunden. Er ist überzeugt, dass sie hier irgendwo ist und widmet sich mit der gleichen Hingabe und Ergebenheit seiner Aufgabe, wie die anderen zuvor. Auch er ist schon sehr lange hier. Auch er weiß nichts von einem Ausgang. Mir wird dieser Ort langsam etwas unheimlich.

Wir gehen weiter und stoßen auf eine Gruppe von Leuten, die wütend die Schriften aus den Regalen reißen und sie auf dem Boden der Bibliothek zu verbrennen.
“Da steht ja gar nichts drin”, schimpfen sie, “das ist nur Unsinn.” Eine andere Gruppe betet in rituellen Handlungen ein Buch an, das dem Titel nach genauso unsinnig ist, wie der ganze Rest an diesem Ort.

Im nächsten Raum treffen wir einen Mann, der immer wieder Bücher aus dem Regal nimmt und zurück stellt.
“Guten Tag, ich bin der Autor. Ich suche die Inspiration für mein Buch”, sagt er.
“Aha, wovon handelt denn Ihr Buch”, fragt Mycroft.
“Das weiß ich noch nicht. Darum suche ich ja die Inspiration. Ich bin schon sehr lange hier. Wovon handelt Ihre Geschichte!”
“Von einem größenwahnsinnigen Colonel, der auszog, ein unmögliches Buch zu finden”, antwortet Mycroft. Wir wenden uns ab und gehen weiter unserer Wege.

“Wie soll ich dieses eine Buch in diesem Chaos finden”, überlegt Mycroft, als wir weiter gehen, dann erinnert er sich an etwas, das er darüber gelesen hatte. “Die Bibliothek ist das Buch und das Buch ist die Bibliothek”, sinniert er, “wir sind im Buch.” Er nimmt ein beliebiges Buch aus dem Regal und schreibt seinen Namen dort hinein, doch nichts passiert. Er schreibt weiter, die Geschichte des größenwahnsinnigen Colonel Winterbottom, der auszog, ein unmögliches Buch zu finden, doch auch das ändert nichts.
“Meinen Namen in das Buch schreiben”, überlegt er und beginnt mit einem Messer seinen Namen in das Gestein zu ritzen.

Als er den letzten Buchstaben seines Namen geschrieben hat, ist es plötzlich, als würde er durch durch die Wand fort gesaugt. “Mycroft, nein”, rufe ich und versuche seine Hand zu greifen, doch mein Griff geht ins Leere. Er ist fort. Betroffen starre ich auf die Zeichen seines Namen vor mir an der Wand.
‚Du wirst mich noch früh genug vermissen’, hallen die Worte, die er vor unserem Abflug zu mir sagte, nach. “Shinyū-o”, flüstere ich, der Verzweiflung nahe.

Nach einer Weile gelingt es mir, mich wieder zu fangen. Ich gehe weiter durch die Bibliothek und treffe einen einfach gekleideten Mann mit einem Strohhut.
“Was suchen Sie?”, frage ich ihn. Er blickt von den Schriften auf, die er vor sich ausgebreitet hat.
“Ich bin ein Landwirt”, sagt er, “ich suche nach der optimalen Ausbeute meiner Ernte.”
“Haben Sie schon etwas gefunden, das Sie weiter bringt?”
“Nein, aber das werde ich schon noch. Wissen Sie, das, was hier so drin steht, ist überaus faszinierend.”
Ich werfe einen Blick in sein Buch, das wie alle anderen rein gar keinen Sinn ergibt.
“Das ist kompletter Unsinn”, sage ich.
“Nein, das ist kein Unsinn”, beharrt der Bauer, “warum sind Sie hier? Was suchen Sie?”
“Ich bin nicht auf der Suche”, antworte ich.
“Das kann nicht sein”, entgegnet der Bauer, “jeder, der hier ist, sucht irgendetwas.”
“Bei mir ist das anders”, behaupte ich und noch entspricht das sogar der Wahrheit, “vielleicht suche ich noch nach dem, was ich suche.”
Der Bauer schaut mich etwas irritiert an.
“Das ist ein interessanter Ansatz”, meint er dann.
“Wie lange sind Sie schon hier”, frage ich.
“Schon sehr lange”, erwidert er. Ich hatte keine andere Antwort erwartet.
“Verspüren Sie keinen Hunger oder Durst oder Erschöpfung?”, will ich weiter wissen.
Der Bauer überlegt einen Moment.
“Darüber habe ich noch nie nachgedacht”, antwortet er, “aber wenn ich’s recht bedenke… Nein.”
‘Wenigstens etwas’, denke ich bei mir. Körperliche Bedürfnisse scheinen an diesem Ort keine Rolle zu spielen und die Qual des Hungertodes wird mir, so wie es aussieht, hier erspart bleiben.

Mit dieser Einsicht wende ich mich ab, überlasse den Bauern seiner Suche und kehre zurück in den Raum, wo Mycroft verschwunden ist. Dieser Ort ist tückisch. Sobald ich selbst anfange, hier etwas zu suchen, werde ich nicht mehr aufhören können, fürchte ich, und ich werde vergessen, wer ich war und was ich erstrebe.
Und was ich verloren habe…

Was ich suche, kann man nicht in Büchern finden. Stille finde ich nur in mir und ich finde sie in der Meditation. Mein Geist leert sich, mein Herz wird ruhig und mir eröffnet sich eine Ahnung von dem, was Unendlichkeit bedeutet. Es ist beängstigend und faszinierend gleichermaßen. Ich kann irgendwie verstehen, warum die Menschen dem Sog der Bibliothek erliegen. Zugleich ängstigt mich die Vorstellung, ein ganzes Leben oder mehr mit einer Suche nach etwas zu vergeuden, das nicht gefunden werden kann, nicht in diesen unsinnigen Büchern. Diese Aussicht ist überaus deprimierend. Ich ertasten an meiner Seite mein Shōtō. Es beruhigt mich, das Kurzschwert bei mir zu wissen. Wenn ich es hier nicht mehr aushalte es sonst keinen Ausgang gibt, kann ich mich damit immer noch befreien.

Ein lautes Poltern, gefolgt von panischen Schreien, reißt mich aus meinen Gedanken. Ich springe auf um zu sehen, was passiert ist. In einem Nachbarraum ist eine Wand eingestürzt. Ein Mensch liegt unter dem Schutt und ringt um sein Leben. Zwei andere stehen davor und lamentieren.
“Was ist hier geschehen?”, frage ich.
“Eine Wand ist eingestürzt”, antwortet einer der beiden.
“Das sehe ich selbst”, erwidere ich etwas gereizt, “ist sowas schonmal passiert?”
“Nein, noch nie”, antwortet der andere, “wir sind Ärzte. Wir suchen nach der menschlichen Physis. Wir…”
“Sie sind schon sehr lange hier”, führe ich den Satz zu Ende.
“Woher wissen Sie das?”, fragt der, den ich unterbrochen habe.
“Unwichtig”, gebe ich zurück.
“Warum sind Sie hier?”, möchte der erste wissen.
“Ich bin mit einem Freund hergekommen”, antworte ich halb abwesend. Meine Aufmerksamkeit gilt mehr und mehr dem Verschütteten. Was sind das nur für Ärzte? Dort ringt ein Mensch um sein Leben und sie tun… nichts.
“Ist er auch hier”, fragt er weiter.
“Das geht Sie nichts an”, erwidere ich schroff, nun schon halb auf dem Weg zu dem Menschen unter der eingestürzten Wand.
“Wollen Sie sich uns nicht als Forschungsobjekt zur Verfügung stellen?”, fragt der zweite.
“Wenn ich der Meinung bin, dass meine Zeit gekommen ist, lasse ich es Sie wissen”, verspreche ich. Ich bin inzwischen bei dem Verletzten angekommen.
“Nein, das darf nicht sein. Ich habe es doch noch nicht gefunden. Ich bin so nah dran”, röchelt er, bevor er sein Leben aushaucht. Bis zum Ende hat er nicht verstanden, dass er nur Unsinn verfolgt hat, der nie dafür gedacht war, ihn zum Ziel zu führen. Ich bitte die Shinigami, ihn sanft auf die andere Seite des Seins zu geleiten. Der Tod ist an diesem Ort eine Erlösung und ich bin erleichtert zu wissen, dass er hier Zugang hat.

Ich gehe zurück in den Raum, wo Mycroft fortgerissen wurde. Sein Name steht noch immer dort in den Stein gemeißelt. Vielleicht kann ich ihm folgen, wenn ich meinen Namen dazu schreibe? Ich ritze die Kanji meines Namen senkrecht zwischen seinem Vor- und Nachnamen in das Gestein.

      

Es geschieht nichts, das hatte ich schon fast befürchtet. Es ist mir nicht bestimmt, auf diesem Weg hier rauszukommen. Dennoch hat der Anblick des so entstandenen Schriftzuges etwas Tröstliches. Gleichzeitig schmerzt mich die Erkenntnis der Symbolhaftigkeit, die ihm innewohnt: im Herzen zutiefst verbunden zwingt uns das Schicksal auf gegensätzliche Wege. Die Wahrheit ist sogar noch grausamer. Wenn wir unserer Bestimmung bis zum bitteren Ende folgen, stehen wir uns irgendwann als Feinde gegenüber. Aber so muss es nicht kommen. Es gibt immer die Möglichkeit, eine neue Richtung einzuschlagen.

Doch jetzt für den Moment bleibt mir erstmal nichts, als abzuwarten, die Einsamkeit zu ertragen und mich nicht vom säuselnden Geflüster der Bibliothek verführen zu lassen. Ich will nicht vergessen, ich will mich erinnern, solange ich kann. Ich hole Ujimasas Feder aus meiner Tasche, zerre eine Schriftrolle aus dem Regal und beginne ihre Rückseite zu beschreiben

Mycroft-kun, Shinyū-o,“ schreibe ich,
ich habe keine Ahnung, ob du diese Zeilen jemals lesen wirst, ob überhaupt irgendjemand sie irgendwann lesen wird und ob sie dann überhaupt von Sinn sind. Das ist auch nicht wichtig. Ich schreibe aus einem anderen Grund. Ich schreibe, um mich zu erinnern, um nicht in der Einsamkeit dieses Ortes vollends dem Wahnsinn anheim zu fallen und um durchzuhalten, bis du zu mir zurück kommst. Oder sich ein anderer Ausweg offenbart…”