Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

Italy & Family

May 1 1921 Monday Highclere Castle

Carlas Großonkel hatte sie schon vor einiger Zeit zu der Eröffnung einer Ausstellung über die Etrusker eingeladen, die ihr Onkel finanziert hat. Die Familie selbst hat etruskische Vorfahren. Sie soll schon einige Tage vor der Eröffnung bei ihrem Großonkel eintreffen. Er lebt in Umbrien, in Campiglia. Nicht weit davon – in Piombino – hat Carla ein weiteres Landhaus.

Wir planen die Reise mit unseren 2 Junkers an die italienische Küste. Mycroft & Me bereiten unsere Maschinen auf die tagelangen Flüge vor…

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May 2 1921 Monday Highclere Castle Aerodrome
Zwei glänzende Aluflieger lassen Highclere Castle Estate erdröhnen.
Unser Tagesziel und erste Reiseetappe ist Lyon…

May 3 1921 Tuesday Lyon

May 4 1921 Wednesday  Piombino
Wir wassern die Junkers an der Küste vor Piombino und gleiten dann mit unseren Leichtflugzeugen auf Schwimmern in den malerischen Hafen ein. Beide Maschinen werden an Land in ein Trockendock gezogen, für 1 Pfund pro Woche.

Unsere F13s im Hafen

Wir mieten uns gleich einen Bus an, stromlinienförmig wie ein Flugzeugrumpf ohne Flügel, der neueste Schrei aus Österreich…

Franco, der Chauffeur, fährt uns zum Anwesen von Ugolino della Gherardesca nach Campiglia.

Carlas Großonkel begrüßt seine Großnichte herzlich, lange und laut. Gefühlte dutzende Kinder toben kreischend um uns herum. Mycroft & Me halten uns steif und unauffällig im Hintergrund. Tante Cecilia ruft dann alle resolut ins Haus zum Mittagessen. Ich stelle mich als ein Freund und Bewunderer von Carla vor, den sie als Altertumsliebhaber eingeladen hat, bei der Ausstellung dabei zu sein…

Nach dem Essen lädt Ugolino die Herren zum Grappa in seinen Raucherraum ein. Er erzählt uns von dem Heiligtum der Etrusker – von Falum votumlae – das wohl als Legende zurückgewiesen wird, aber wirklich existiert haben soll. Da er seine eigenen etruskischen Wurzeln erkunden will, ist er auf der Suche nach Artefakten, die die Existenz beweisen oder gar zu dem Ort selbst führen. Ich erkenne in ihm einen seelenverwandten Forscher mit tiefergehendem Interesse an Geschichte.

Nachmittags geht es auf den Fiera – Jahrmarkt..

Beim Messerwerfen gewinne ich ein Glas weißen Rotweins. Bei Madame Empousa lassen wir uns alle wahrsagen. Als ich die kleine Jurte betrete, ist sie innen deutlich größer, als von außen zu ahnen war. Ich erkenne in der Wahrsagerin die Küstenhexe aus dem Traumland. Sie sagt mir, ich solle meinen Weg weiter gehen, meinen Freunden vertrauen und daran denken, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Ich solle mich nicht ins Bockshorn jagen lassen! Sie zeigt mir Visionen von einem Gesicht aus und in Baum- und Buschwerk und einem trichterförmigen Wasserfall mitten in einem See. Zum Schluss darf ich mir ein Amulett auswählen.

Madame Empousa sagte zu Henry, es werde bald Wunderbares passieren. Auch Sanjuro hatte die gleichen Visionen wie ich erlebt, aber nicht alle von uns haben das gleiche gesehen, es gab auch andere Bilder…

Meine Freunde wollen nach Hause laufen, doch ich lasse mich lieber im Bus fahren. Unterwegs besteche ich Franco, mich doch ans Steuer zu lassen. Motor Carnarvon juckt es in den Fingern und Zehen. Ich starte die rollende Zigarre, würge sie ab. Beim zweiten Versuch komme ich stotternd ins Rollen, aber der Motor springt nicht mehr richtig an. Franco flucht und verschwindet unter der Motorhaube…

Ich mache mich nun auch zu Fuß auf den Weg zum Haus unseres Gastgebers. Auf dem Weg sehe ich das Buschbaumgesicht aus der Vision von Madame Empousa. Ich gehe darauf zu, doch ich kann es nicht erreichen. Es ist wie ätherisch….

Ich folge dem Weg weiter, und als ich hinter einer kleinen Biegung auf einen Teich stoße, glaube ich sehr deutlich in der Mitte einen trichterförmigen Wasserfall sehen und hören zu können…

Mir wird zwar nicht unwohl, doch höre ich noch die Worte der Küstenhexe: „Geh deinen Weg weiter!“ Also kehre ich nicht um und folge dem Pfad bis zu einem eckigen Portal, durch das ich hindurch schreite und mich selbst schneller als ich es begreifen kann in einem unterirdischen Gang wiederfinde…

Ich höre Wasserrauschen, sehe einen Wasserfall und erkenne bald darauf die Stimmen meiner Freunde darunter.
Sie haben bereits einige Teile des Höhlensystem erkundet…

Ich folge ihnen und es geht weiter hinab.
Das Ganze erinnert doch sehr an das Höhlensystem unter Marigny…

Wir betreten durch einen Rundbogen einen interessanten Raum mit vier Säulen. Als wir alle darin sind, lösen sich die Säulen zu Lichtwolken auf. Wir sehen, wie sie sich in Kriegerinnen wandeln. Allerdings erscheinen sie wie Leerstellen im Licht, wie Schattenkriegerinnen. Ihrer intensiven Präsenz können wir uns nicht entziehen, nicht auch nur den Blick von ihnen abwenden und erstarren bewegungslos…

„Zur falschen Zeit am falschen Ort ohne Siegel! Versucht es erneut!“ vibriert es in unseren Köpfen. Worauf wir wieder verdattert zwischen den Säulen stehen. Nur Mycrofts Lampe erleuchtet den Raum.

Wir suchen einen Ausgang. Es geht mal wieder eine Treppe herunter…

Und wir kommen aus einem Holzstoß in Form eines Wildschweinkopfes wieder an der Erdoberfläche heraus…

Wir sind keine 800m von Ugolinos Haus entfernt!
Pünktlich zum Abendessen können wir an der großen Familientafel Platz nehmen. Großtante Cecilia hat groß aufgefahren: Minestrone, Salat, Lasagne, Ragout, Panna Cotta…

Wir übernachten bei der Großtante. Carla möchte erst morgen ihr Landhaus beziehen, denn die Landschaft sei zu schön, um sie nachts zu durchfahren…