Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

癒し (Iyashi) – Regeneration

Auch heute ziehen sich Mycroft, Henry und der Lord nach dem Frühstück mit den Hunden nach draußen zurück, während ich mich meiner Kampfkunst widme. Babette bereitet derweil einen Picknickkorb vor. Wir wollen heute wieder hinunter in die alte Templeranlage steigen, um dort die Münzen aufzuladen. Wir wissen Der Abstieg erfolgt ohne Zwischenfälle. Nach etwa 45 Minuten stehen wir alle versammelt im Ritualraum, wo wir die Münzen gefunden haben. Wir stellen uns im Kreis auf und Henry legt sein magisches Ritualband um uns herum aus, um uns vor unerwünschten Gästen zu schützen. Carla stimmt einen Gesang an, bittet uns mitzusingen.
Ich beschränke mich auf ein kaum hörbares Summen, doch auch das reicht. Nach einigen Minuten spüre ich, dass die energetische Struktur der Münze – meiner Münze – in meiner Hand verändert. Sie fühlt sich verstärkt und aufgeladen an. 

Wir wollen noch einmal durch die Anlage gehen und nachsehen, ob sich irgendetwas wesentlich verändert hat.
“Geht schon mal vor”, zirpt Carla, “ich komme nach.”
Als Henry sein Ritualband mitnehmen will, fängt er sich von Carla einen durchdringenden, bösen Blick an.
“Das bleibt hier”, bestimmt die Diva streng. Henry ist so perplex von so viel “Frauenpower”, dass er ohne weitere Nachfragen ihrem Wunsch entspricht.

Wir anderen machen uns nun auf zur Inspektion der Anlage. Der Durchgang, über dem ich bei unserem letzten Besuch die Warnung vor den Ulms in meiner Muttersprache gelesen habe, ist nun leer. Der Zauber, der uns diese Botschaft klar verständlich in unseren jeweiligen Sprachen vermittelte, scheint nicht mehr zu wirken, ansonsten ist alles genauso, wie wir es zuletzt vorgefunden hatten – bis auf den Sternenhimmel im Astrolabium im obersten Raum des Turms. Dieser hat sich entsprechend der Bewegung unseres Planetensystems ebenfalls weiter bewegt. Nach einer Weile stößt Carla zu uns und wir machen uns alle gemeinsam über Babettes Picknickkorb her. Neben heute morgen frisch gebackenen Baguette hat die gute Seele des Chat Noir und mit Salami, Ziegenkäse und in Honig eingelegten Walnüssen bedacht.

Während des Picknicks betrachte ich den Sternenhimmel. Mir fällt auf, dass das Firmament ein dreizehntes Sternbild zeigt, dass man normalerweise nicht am hiesigen  Himmel sehen kann., aber ich kenne es. Es ist das Sternbild des Orphiochus, auch bekannt als der “Schlangenträger”. Schlangen… gab es da nicht einmal ein Schlangenvolk? Der Gedanke fliegt wie eine schattenhafte Erinnerung durch meinen Geist. Ja da war etwas, irgendwo unter dem Nordamerikanischen Kontinent. Oder bringe ich da etwas durcheinander? Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich schon einmal mehr darüber wusste und es einfach vergessen habe. Und ich habe das Gefühl, dass das vielleicht sogar besser so ist.

“Hat sich bei dir eigentlich irgendeine Veränderung eingestellt, seit diese Hüpfkugel dich angesprungen hat?”, fragt Mycroft mich.
Ich überlege kurz.
“Jetzt wo du fragst..”, antworte ich, “mir geht es seitdem viel besser. Ich habe seitdem keine Panikattacken mehr gehabt und mache mir weniger Sorgen. Ich weiß aber nicht, ob das tatsächlich mit diesen Wesen zusammenhängt.”

Mycroft und ich kommen auf die Idee, in dieser hochmagischen Umgebung einen Trainingskampf zu vollführen, doch die anderen raten uns davon ab. Die wohlwollenden Hüter dieses Ortes könnten es missverstehen, meinen sie. So ganz nachvollziehbar scheint mir dieses Argument nicht – immerhin ist diese Anlage ihrer Architektur nach ziemlich eindeutig einmal als Wehranlage errichtet worden, doch ich beuge mich schließlich der Mehrheit und wir bereiten den Aufstieg vor. Mycroft führt und ich bilde die Nachhut.

Wir haben etwa ein Drittel unseres Weges geschafft und den Raum mit dem von Menschenhand geschaffenen Sims erreicht, als unsere Gruppe plötzlich ins Stocken gerät. Ich und Mare, die direkt vor mir läuft, stehen noch außerhalb des Raumes. Aus meiner Perspektive sehe ich nur, wie Mycroft, der Lord, Carla, Henry und Mary-Ann nacheinander von schattenhaft wirkenden, haarigen Kugelń besprungen werden und bewußtlos auf den Boden sinken. Bevor ich irgendetwas tun kann, springen diese Kugeln in Massen an mir vorbei. Ich zähle. 1.. 2.. 3.. 10.. 20.. 30.. 50.. 100.. und es werden immer noch mehr. Es sind Legionen. 

Ich weiß nicht, wie lange ich gewartet habe, bis die Buer – das sind diese Kugeln vermutlich – an mir vorbei gesprungen sind. Vorsichtig betrete ich den Raum, in dem meine Freunde selig schlummernd auf dem Boden liegen. Wie haben so viele von diesen Geistern in diesen einen Raum gepasst? Bevor ich mir darüber Gedanken machen kann, beginnen meine Freunde sich zu regen und erwachen entspannt und ausgeruht aus ihrem magischen Schlaf.
“Geht es euch gut”, versichere ich mich dennoch. Es geht ihnen gut, wohl sogar besser, als vor dem “Überfall” durch die Buer. 

Wir setzen unseren Weg weiter fort und gelangen nunmehr unbehelligt, pünktlich zur Teatime, sicher zurück an die Oberfläche. Nach dem Tee hole ich den Trainingskampf mit Mycroft nach und übe noch ein wenige allein weiter, als unsere Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern die allabendliche Runde drehen. Wir wollen heute die Münzen einsetzen und verabreden uns vor dem Schlafengehen in den Traumlanden.