Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

新規の匙 (Shinki no shaji) – Ein neuer Arzt

Wie geplant breche ich nach dem Frühstück auf und fahre nach Highclere Castle, wo heute der Dr. der Psychologie aus Deutschland eintreffen wird. Gegen elf Uhr erreiche ich das Anwesen des Lord. Mycroft, der Lord und Lady Almina trainieren ihre Hunde unter Henrys fachkundiger Anleitung.

Im Haus nehme ich einen exotischen Geruch wahr. Es riecht nach Zimt, Wacholder, Kardamom und anderen rauchig-holzigen Gewürzen. Mare berichtet, dass sie ein Päckchen von Howard Carter erhalten hat. Der Prinz von Kairo hat sie mit einem Geschenk bedacht, eine Sammlung von Gewürzen und Räucherwerk und dazu zwei Rezepturen. Eine dieser nennt Mare “Segen der Nacht”, die zweite “Anrufung der Götter”.

Nach dem Lunch trifft Dr. Gaultier auf Highclere Castle ein. Die erste Therapiesitzung wird bereits für den heutigen Nachmittag anberaumt. Ich bin skeptisch und habe meine Zweifel, dass der deutsche Psychologe uns wirklich helfen kann. Es ist wahrscheinlicher, dass er nach unserer Behandlung selbst jemanden braucht, der seinen Verstand wieder gerade rückt.

Der Doktor setzt auf die Idee, dass Vorstellungskraft über den Willen dominiert, sprich, wenn man sich etwas nur häufig und intensiv einzureden versucht, wird es sich manifestieren. Ich habe meine Zweifel, dass das wirklich funktioniert. Er empfiehlt ein Mantra, dass er uns  allmorgendlich zehnfach zu wiederholen empfiehlt:

“Es geht mir jeden Tag in jeder Hinsicht immer und immer besser.”

“Watashi wa tettō tetsubi chitabi ya chitabi ichinichi mashi ni yoku naru”, wiederhole ich das Mantra in meiner Muttersprache, dann noch ein paar Mal, und ich habe das Gefühl, dass es wirklich was bringt, zumindest für den Moment.

Im Folgenden wird Dr. Gaultier über unsere bizarren Abenteuer aufgeklärt.

“Wir sind durch die Bilder gegangen”, berichtet Henry, als sei es das Normalste der Welt. Mycroft schlägt vor, mit der gelben Flöte und einer Schrotflinte auf die Terasse zu gehen und Byakhees zu jagen. Dr. Gaultier bekommt Augen wie Teller und fragt, ob wir unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Substanzen gestanden hätten, als wir diese Erfahrung machten. Das verneinen wir, doch Mary-Ann berichtet nun von ihrer Pilzforschung und ihren pharmazeutischen Experimenten und lädt den Doktor ein, doch vielleicht einmal das ein oder andere aus ihrer Apothekerküche zu probieren. Der Doktor lehnt ab, äußert aber sein Interesse, es einmal mit dem Kathkauen zu versuchen. Der Lord hat tatsächlich noch einen kleinen Vorrat an Kathblättern von seiner letzten Ägyptenreise im Keller. Nach dem Konsum der Blätter ist Dr. Gaultier völlig abgemeldet und will erst einmal die Jagdgründe des Lords erschließen. Ich bin enttäuscht. Ich habe nicht das Gefühl, dass dieser Doktor stabil genug ist, um es mit unseren Geschichten aufzunehmen.

Nach der Therapiesitzung kann ich Mycroft zu einem gemeinsamen Training in der Schwertkunst überreden. Nach dem Aufwärmen begeben wir uns in Position und lassen im freien Stil die Holzschwerter gegeneinander spielen. Plötzlich bemerke ich eine Veränderung in Mycrofts Auftreten. Sein Blick wird entschlossener, sein Stil aggressiver und sein Bokutō rast ungebremst auf meine Kopf zu. Ich kann mich durch geschicktes Fallen dem Schlag entziehen, stehe im nächsten Moment wieder auf den Beinen und kann sein Schwert abbremsen, trotzdem spüre den erhöhten Adrenalingehalt in meinem Leib.

“Was war das denn?”, frage ich, als ich wieder etwas ruhiger bin. Mycroft ist selbst verwundert. Er entschuldigt sich aufrichtig für seinen Ausrutscher.
‘Vielleicht ist der Kath-Rausch ja ansteckend’, überlege ich, bevor ich das Training mit meinem Freund unter erhöhter Aufmerksamkeit fortsetze.